Komponist & Musiker
Bach auf Hammond

Hörbeispiele
ToccataFuge
Präludium G-Dur
1. Satz F-Dur
2. Satz F-Dur
3. Satz F-Dur
4. Satz F-Dur
Wachet auf, ruft uns die Stimme
Wo soll ich fliehen hin
Wer nur den lieben Gott lässt walten
Meine Seele erhebt den Herren
Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ
Kommst Du nun Jesu, vom Himmel herunter
Fuge G-Moll
Fantasia G-Dur
Als Kind war ich oft in der Kirche. Meine Eltern gingen fast jeden Sonntag. Das Einzige, dass meine Aufmerksamkeit fesseln konnte war die Orgel. Die Gottesdienste fanden in einem Seitenschiff der gotischen Kirche statt, das Hauptschiff war im Krieg zertört worden und Geld für den Wiederaufbau hatte es in der Arbeiterstadt nie gegeben. Von der alten Orgel müssen wohl Reste gerettet worden sein, sie stand unten, machte einen zusammengeflickten Eindruck, aber man konnte hingehen und sie anschauen.
So sah ich schon früh die Tasten für die Füße und die beiden Manuale. Mein Vater, der Posaunenchorleiter war, fachsimpelte mit dem Organisten. Ihm war in der Kindheit eine gediegene musikalische Ausbildung verwehrt worden. Mein Großvater arbeitete in einer kleinen Fabrik im Erzgebirge, wo er Gießkannen und Schubkarren herstellte. Als mein Vater ihm seinen Wunsch offenbarte, Geige zu lernen, fragte dieser zurück, ob mein Vater etwas Besseres werden wolle als er. Daraufhin nahm mein Vater heimlich Geigenunterricht beim Kantor der fünftausend Seelen Gemeinde.
Bei mir sollte alles anders werden. Ich bekam mit fünf Jahren Klavierunterricht, ob ich wollte oder nicht. Jeden Sonntag nach der Kirche ließ ich mir eine Schallplatte auflegen. Immer dieselbe. Albert Schweizer spielt Bach. Das erste Stück auf dieser Aufnahme ist die Toccata und Fuge. Als ich ein wenig besser Klavier spielen konnte, versuchte ich es nach Gehör auf dem Klavier zu spielen. Um das Gefühl zu haben in der Kirche zu sein, trat ich das rechte Pedal bis zum Anschlag durch.
In den Ferien, bei meinen Großeltern, ließ mich der Bruder meines Vaters das erste Mal auf einer Orgel spielen. Mit fünfzehn hatte ich den Mut, den Kantor der neuen Kirche, wir waren innerhalb der Stadt umgezogen, anzusprechen. Er gab mir den Schlüssel, erklärte mir alles und ließ mich allein. Drei Manuale und Pedal. Großartig! Das erste was ich probierte war der Beginn der Toccata. Ich erinnere mich, gedacht zu haben, kein Mensch könne unterscheiden wer hier Orgel spiele. Ich hatte damals begonnen, Cello zu spielen. Noch nicht lange, doch lange genug um zu erahnen, wie lange es dauern könne, bis ich meinem Cello auch nur einen erträglichen Ton entlocken würde. Und hier die Orgel. Didldi didadada dii daa. Wie auf der Schallplatte. Der Kantor hatte ein wenig zugehört. Als ich den Schlüssel zurückbrachte, fragte er, ob ich nicht Unterricht haben wolle.
Vor einem knappen Jahr hatte ich plötzlich die Idee, ein zweites Keybord an meinen Laptop anzuschließen. Ich holte die Orgelnoten aus dem Schrank. Jetzt fehlt nur noch das Pedal, dachte ich mir. Ich experimentierte mit Orgelsamples. Immer wieder sehr aufregend für eine Weile und schließlich doch unbefriedigend. Ich las von einer Simulation der berühmten Hammond-Orgel. Noch auf der Suche nach befriedigenden klanglichen Lösungen, begann ich mit dem Hammondsound zu üben. All die Stücke, die ich immer schon spielen wollte. Es begann mit der g-moll Fuge. Ich versuchte brauchbare Registrierungen zu finden und spürte, wie ich mehr und mehr in diesen Klang kippte. Die rotierenden Lautsprecher, die Attacke, die Klarheit der Ansprache, der fehlende Hall, plötzlich konnte man alles verstehen, auch die Mittelstimmen. Ich begann aufzunehmen. Hier ist das Ergebnis.